Das Kiefergelenk

 Das Kiefergelenk – Das vergessene Gelenk

Die Kiefergelenke und die Kaumuskulatur dienen zum Öffnen und Schließen des Mundes. Wenn die Kiefergelenksfunktion gestört ist, treten Abnormitäten und Schmerzen auf. Erst dann nehmen Sie ihr Gelenk wahr. Es kommt zu Einschränkungen und Beschwerden im Bereich der Gelenkstrukturen und zu muskulären Verspannungsschmerzen.

 

TMG-FlyerNeu

“913 TMJ © OpenStax College, Anatomy & Physiologie CC BY 3.0, Connexions, http://cnx.org/content.col11496/1.6

Die Vernetzung von Kiefergelenken, Zähnen, Muskeln, Nerven, Wirbelsäule und Gelenkstrukturen:

Beim Kauen, Schlucken und Sprechen bewegt sich das Kiefergelenk und steht über neuromuskuläre, myofasziale und gelenkstrukturelle Ketten in ständiger Verbindung zum Rest des Bewegungsapparates. Die enge Wechselwirkung zwischen der Halswirbelsäule, dem Tonus der Kau- und Nackenmuskeln, sowie der Position und Funktion des Kiefergelenkes interagiert über den “Schulter- und Beckengürtel” mit dem gesamten muskuloskelettalen System.

Das Kiefergelenk nimmt eine Sonderstellung ein. Es ist das einzige Gelenk des Körpers, welches nicht vom Orthopäden untersucht oder behandelt wird, sondern von darauf spezialisierten Zahnärzten. Auch manuelle Therapierichtungen wie Chiropraktik oder Osteopathie untersuchen und behandeln gezielt umgebende Strukturen des Kiefergelenkes. Der bekannte Chiropraktiker Dr. George J. Goodheart (Detroit, Michigan, United States) hielt in seinem Artikel im Jahre 1977 bereits fest:

“The TMJ is the most important joint in the body!”

(“Das Kiefergelenk ist das wichtigste Gelenk des Körpers!”)

Die Wechselwirkung zwischen Kiefergelenk, Muskulatur, Körperhaltung und Verzahnung führt bei Störungen häufig zu massiven Schmerzen im Kopf-, Augen- und Nackenbereich, zu Bewegungseinschränkungen, zu Rückenbeschwerden, Ohrproblemen (Tinnitus), Sehstörungen, chron. Schnarchen, Schlafstörungen, Taubheiten im Kiefer-, Schulter-Armbereich, Zahnschmerzen, Zähneknirschen, Bissverschiebung oder fortschreitenden Zahnschädigungen.

Eine sogenannte CMD (Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion) entsteht. Die Zahnform verschleißt sich, der Biss verändert sich, die Funktion im Kiefergelenk wird gestört, Folgeschäden entstehen. In diesem Fall muss mit einer speziellen Schienentherapie (MAGO-Schiene) die Funktion des Kausystems soweit wieder hergestellt werden, dass der betroffene Patient beschwerdefrei wird.

Weil diese Besonderheit zwei medizinische Fachrichtungen betrifft, muss sich die Zahnmedizin intensiv mit der Chiropraktik und anderen Manuellen Therapieformen auseinandersetzen. Da das Kiefergelenk nicht für sich alleine steht, müssen umgebende Strukturen betrachtet werden, die wiederum mit der Halswirbelsäule in Verbindung stehen.

Die obere Halswirbelsäule ist definitiv der Schnittpunkt zwischen Zahnmedizin und Manueller Therapie (Chiropraktik, Osteopathie, Physiotherapie). Über den ersten und zweiten Halswirbel (Atlas, Axis) geht die Verbindung natürlich auch nach unten bis in den gewichtstragenden Beckenring.

Die Verteilung ungleicher Kräfte betrifft also die zusammenhängenden Bereiche. Nichts geschieht auf körperlicher Ebene im medizinischen Sinne voneinander getrennt. Die Auswirkung von Störungen der Kaufunktion und des Kiefergelenkes wandern unvermeidlich nach unten und betreffen absteigend weitere Muskeln und Gelenkstrukturen. Daraus erklärt sich eine kooperative Interaktion mit anderen medizinischen Fachdisziplinen von selbst.